Biozyklisch-veganer Anbau bringt zusätzliche Qualität und Vielfalt ins Bio-Angebot

Positiv blickt Daniel Mettke, Geschäftsführer des neu gegründeten Vereins „Biozyklisch-Veganer Anbau“ (BIO.VEG.AN.) auf die BIOFACH 2017 zurück: „Die veganen Bio-Lebensmittel haben bei den Produktinnovationen auch dieses Jahr die Nase vorn gehabt. Nun geht es darum, die vegane Bio-Produktion weiterzudenken.“

Gemeint ist damit, wie bei der Auslobung „bio“ auch den Anbau nach veganen Kriterien umzusetzen. Dies hat sich der 2016 gegründete Verein zum Ziel gesetzt. Im vergangenen Februar hat er deshalb auf der weltweit größten Messe der ökologischen Lebensmittelwirtschaft in Nürnberg seine „Biozyklisch-Veganen Anbaurichtlinien“ erstmals präsentiert.

Die im rheinland-pfälzischen Kandel ansässige Initiative, die sich aus gestandenen Akteuren der deutschen Bio-Szene und veganen Verbraucherinitiativen zusammensetzt, baut dabei auf EU-Öko-verordnungskonforme, etablierte Bio-Qualitätsstandards, die es lediglich hinsichtlich veganer Verbraucherwünsche zu konkretisieren galt.

Was das konkret bedeutet, wurde in der durch den Vegetarierbund Deutschland e.V. organisierten, messeeigenen Erlebniswelt VEGAN im Rahmen einer Gesprächsrunde vorgestellt und diskutiert. Auf die Aufzeichnung dieser Veranstaltung möchten wir heute gerne hinweisen (1).

Dr. Johannes Eisenbach erklärt zu Beginn des Gesprächs, wie er zum veganen Bio-Anbau kam: „Es kam die Frage auf: ‚Könnt Ihr eigentlich auch Orangen und Kiwis ohne tierischen Dung erzeugen?‘“ Schließlich gäbe es viele Menschen in Deutschland, die sich vegan ernährten und darauf aufmerksam geworden sind, dass pflanzliche Erzeugnisse nicht unbedingt auch ohne Tierhaltung erzeugt worden seien. „Und da sagte ich: ‚Selbstverständlich geht es, und wir machen das auch schon bei vielen Betrieben‘“, so Eisenbach weiter. Er ist 2. Vorsitzender des Vereins und Koordinator des griechischen BIOCYCLIC-VEGAN NETWORK, das – basierend auf der Arbeit des deutschen Öko-Pioniers Adolf Hoops – die Grundlagen für die Entwicklung der Anbaurichtlinien lieferte.

Dass die landwirtschaftliche Tierhaltung von vielen veganen Verbrauchern aus ethischen Gründen kritisiert wird, ist weitestgehend bekannt. Dass aber die Tierhaltung auch hinsichtlich klimaschutzpolitischer Betrachtungen überaus problematisch ist, bestätigt u.a. auch Dr. Benjamin Bodirsky, der sich am Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung mit klimarelevanten Stickstoffkreisläufen befasst, an anderer Stelle (2). Er unterstreicht die Bedeutung von „viehlosen“ Anbaualternativen und pflanzlicher Ernährung für den Klimaschutz.

Landwirtschaft ohne „Nutztiere“ ist im Allgemeinen und weltweit betrachtet gar nichts Ungewöhnliches. Inka Sachse von Soil & More International kann das aus ihrer Arbeit bestätigen: „Es gibt viel viehlose Landwirtschaft im Obstbau, im Getreidebau in Litauen – die haben entweder unglaublich viele Kühe oder eben keine. Argentinien oder Ghana – Ananas, Apfel – da gibt es keinen, der jetzt extra noch einmal Tiere hält, weil er etwas anbaut. Das wäre unüblich.“

Auch potenzielle Öko-Betriebe gibt es genug. Dr. Ulrich Schmutz von der Universität Coventry, der ausgiebig zu „viehloser“ und veganer (engl. „vegan organic“) Öko-Landwirtschaft geforscht hat: „Der Anteil der viehlosen Öko-Betriebe in Deutschland liegt bei ca. 25%. Wir haben das auch einmal auf Europa hochgerechnet. Das wären fast 80.000 Betriebe, die praktisch potenziell für ‚vegan‘ offen wären. Das ist eine relativ große Anzahl.“

Bernd Kugelmann führt einen dieser Betriebe in Rheinland-Pfalz. Der 1. Vorsitzende von BIO.VEG.AN. hatte seinen Bio-Gemüsebau nach 2011 auf vollkommen frei von tierischen Inputs umgestellt und ist dabei geblieben. Dass diese Anstrengung aber vom Markt nicht gewürdigt wurde, hatte er zum Anlass genommen, selbst zu handeln. Mit einigen Mitstreitern folgte erst der Zusammenschluss als Bio-Veganer Anbauverband, dann die Zusammenführung mit Herrn Eisenbachs Ansatz: „Es ist wichtig, die Kräfte zu bündeln und gemeinsam vorzugehen,“ ist Kugelmann überzeugt.

Mit seiner Verwurzelung in der ökologischen Landbautradition steht der biozyklisch-vegane Anbau auch nicht in Konkurrenz zu bestehenden Verbandsrichtlinien, sondern ist mit ihnen in der Regel kompatibel. „Er geht allerdings mit einem ganz speziellen Fokus an eine andere Fragestellung heran, die bis jetzt eben von keiner der vorhandenen Richtlinien behandelt wurde, und deswegen ist es eine Zusatzqualifikation“, stellt Johannes Eisenbach, der mit seinem Zusammenschluss als Erzeugergruppe Mitglied beim Bio-Anbauverband Naturland ist, nochmals heraus.

Während der Verein gerade daran arbeitet, einen Kontroll- und Zertifizierungsrahmen für seine Anbaurichtlinien zu schaffen, die derzeit der IFOAM zur Aufnahme in die IFOAM Family of Standards vorliegen, sieht man auch seitens der Öko-Kontrollstellen keine Probleme oder Berührungsängste, zukünftig die Anliegen von Veganern auch im Anbau in den Fokus zu nehmen. Beate Wunderlich von der Gesellschaft für Ressourcenschutz (GfRS): „Es macht Sinn, auch in die Betriebe zu schauen und zu gucken, ob dort tierische Düngemittel eingesetzt werden. Aus Sicht einer Zertifizierungsstelle kann man ganz klar sagen, dass sich das durchaus effizient prüfen lässt.“

Im Widerspruch zum Kreislaufdenken des Öko-Landbaus steht der biozyklisch-vegane Anbaugedanke dabei gerade nicht: „bíos“ und „kýklos“ beschreibt den Lebenskreislauf, den man enger an der pflanzlichen, also veganen Lebensmittelproduktion ausrichten muss.

Albert Fuhs, Geschäftsführer der Landgard Bio GmbH, unterstützt die Idee eines biozyklisch-veganen Anbaus aus der Perspektive des Handels: „Es ist wichtig, dass wir jetzt damit beginnen, transparent zu sagen: ‚So funktioniert die Erzeugung – bis auf den Acker zurück‘, und dem Kunden das Produkt anbieten können, das er tatsächlich wünscht.“

Am kommenden Dienstag, dem 21.03.2017, organisiert die Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg (FÖL) e.V. eine Abendveranstaltung zur biozyklisch-veganen Landwirtschaft in Berlin (3), u.a. mit Johannes Eisenbach für den biozyklisch-veganen Anbau und Konstantinos Tsilimekis für die Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt.

Termin
21.03.2017 18:30 Uhr bis 20:30 Uhr

Veranstaltungsort
GLS Bank Filiale Berlin
Schumannstraße 10
10117 Berlin

Um Anmeldung an g.koehler@foel.de wird gebeten.


Presseanfragen
für den Verein „Biozyklisch-Veganer Anbau“ (BIO.VEG.AN.)
Daniel Mettke
Telefon: 05820-7789030
E-Mail: kontakt@biozyklisch-vegan.de
Web: www.biozyklisch-vegan.de

Pressemitteilung zum Download:

Fußnoten
1
: https://www.youtube.com/watch?v=G7sStlbLggo

2: https://animal-climate-action.org/de/2017/03/14/wir-muessen-mehr-gemuese-essen-gespraech-mit-benjamin-bodirsky/

3: http://www.bio-berlin-brandenburg.de/kalender/detailansicht/meldungen/foel-themenabend-biozyklisch-vegane-landwirtschaft/

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